Ein Restaurant mit Tischen und Stühlen.

Gäste bleiben fern, Bons steigen

von Linn Grunwald
© unsplash.com/ Jason Leung
Höhere Ausgaben pro Besuch sichern die Umsätze, doch die Frequenzen sind rückläufig: Im ersten Halbjahr 2025 melden Quickservice und Bedienrestaurants erneut weniger Gäste. Circana-Daten zeigen, wie das Trading-Down versiegt, Delivery weiter zulegt und die Rückkehr ins Büro vor allem der Gemeinschaftsverpflegung hilft. Auszug aus unserem Gastbeitrag des foodservice Magazins. Text: Christian Preusser
Vom 28.11.2025

Die deutsche Außer-Haus-Gastronomie arbeitet sich auch im ersten Halbjahr 2025 nicht aus der Defensive. Hinter leicht wachsenden Umsätzen steht ein Rückgang der Frequenzen. Besonders sichtbar ist das in den beiden Leitsektoren der Branche: Quickservice Restaurants (QSR) und Fullservice Restaurants (FSR). „Wir hatten nach dem schwachen Vorjahr jetzt mit einem zarten Plus bei den Besuchen gerechnet. Das ist allerdings nicht eingetreten“, sagt Jochen Pinsker, Senior Vice President Foodservice Europe bei Circana. „Der Markt hat weiter Besuche verloren und Umsatzzuwächse fast ausschließlich über höhere Ausgaben pro Besuch generiert.“

Ein Mann im Anzug lächelt.
Jochen Pinsker ist Senior Vice President und Branchenberater Foodservice bei Circana, eines der weltweit führenden Marktforschungsinstitute.
© Thomas Fedra

Markt in der Defensive

Die Zahlen des CREST-Panels von Circana, das die Marktentwicklung kontinuierlich misst, zeigen, dass der Gesamtmarkt im ersten Halbjahr 2025 auf rund 42,46 Milliarden Euro Umsatz kommt, ein Plus von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Durchschnittsbon steigt um 2,1 Prozent auf 8,15 Euro. Die Kehrseite: Die Zahl der Besuche sinkt erneut – um 0,3 Prozent. Im Marktinneren geht die Schere deutlich auseinander: QSR/Retail/Convenience verliert 0,4 Prozent an Frequenz, FSR/Hotels sogar 1,6 Prozent. Beide Teilmärkte wachsen nur über den Bon, nicht über die Gäste.

Dass die Branche auf der Stelle tritt, ist keine rein gastronomische Frage. Sie ist ein Symptom der Konsumzurückhaltung. „Wir sind aus der gesamtwirtschaftlichen Unsicherheit alles andere als heraus“, sagt Pinsker. „Die Stimmung ist nicht besser als vor einem Jahr.“

Die Bons steigen, doch ihr Anstieg ist in sämtlichen Segmenten moderater als im Vorjahr. Im Quickservice erhöht sich der Durchschnittsbon um 2 Prozent auf 6,04 Euro, im Fullservice-Segment um 2,4 Prozent auf 20,54 Euro. Gleichzeitig bleibt die Frequenz rückläufig. Das strukturelle Besuchsloch der Branche ist ohnehin tief: „Im gesamten Außer-Haus-Markt fehlen pro Tag immer noch rund 2,5 Millionen Besuche gegenüber dem Vor-Corona-Niveau. Das ist ein Minus von 18 Prozent“, so Pinsker.

Tabelle Gesamtmarkt Halbjahresvergleich
© foodservice

Weitere Preiserhöhungen wahrscheinlich

Der Blick nach vorne? Pinsker beantwortet die Frage nüchtern: „Das Konsumklima bleibt schwach. Mehr Preiserhöhungen sind wahrscheinlich, mehr Unsicherheit ebenso.“ Ein positiveres Indiz findet sich am Arbeitsort: Die Homeoffice-Quote ist zuletzt leicht gesunken, was die Versorgung rund um den Arbeitsplatz stabilisiert. Für die QSR-Standorte mit hoher Pendler- und Bahnhofsfrequenz ist das eine Chance, wenn der Wettbewerb im Handel ernst genommen wird. Für Fullservice bedeutet es, den sozialen Kern noch stringenter zu bedienen: Aufenthaltsqualität, verlässliches Preis-Leistungs-Verhältnis, zügige Prozesse.

Die Story, die Sie hier gerade gelesen haben, ist aus der Fachzeitschrift foodservice. Sie möchten gern einmal reinschauen? Einfach eine Mail mit dem Stichwort „Service-Bund“ an Juliane.Schaper@dfv.de schicken.

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