
Vernetzung, Transparenz und Innovation

Wo sehen Sie den größten Hebel, um Lebensmittelverschwendung spürbar zu reduzieren?
Der wichtigste und erste Schritt ist tatsächlich, überhaupt anzufangen. Denn wer nicht misst, kann auch nicht managen. Transparenz über die eigenen Abfallmengen und -ursachen ist die Grundlage für jede wirksame Veränderung. Gleichzeitig müssen wir uns von der Vorstellung lösen, dass es den einen großen Hebel gibt, der das Problem allein löst. Die Reduzierung von Lebensmittelverschwendung gelingt nur durch ein Zusammenspiel vieler Maßnahmen – von besseren Prozessen über Schulungen bis hin zu einem bewussteren Umgang mit Ressourcen im Alltag.
Wie gelingt es aus Ihrer Sicht, das Thema Abfallvermeidung dauerhaft in den betrieblichen Alltag von Gastronomie und Hotellerie zu integrieren?
Nachhaltigkeit – und insbesondere die Vermeidung von Lebensmittelabfällen – lässt sich nur dann dauerhaft im betrieblichen Alltag verankern, wenn sie ganzheitlich gedacht wird. Das bedeutet zum einen, Mitarbeitende und Gäste kontinuierlich für das Thema zu sensibilisieren. Nur wenn ein gemeinsames Verständnis entsteht, kann sich auch das tägliche Handeln nachhaltig verändern. Zum anderen muss Lebensmittelabfallvermeidung fest in der Unternehmensstrategie verankert sein. Es ist dabei kein Einzelprojekt, sondern muss als langfristige Aufgabe verstanden werden. Denn klar ist: Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Unterstützung bietet dabei beispielsweise die Auszeichnung der Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung, die wir seit 2025 eigenständig betreiben. Sie liefert einen praxisnahen Handlungsleitfaden und sorgt gleichzeitig für mehr Sichtbarkeit des Engagements.
Viele Betriebe wollen nachhaltiger arbeiten, stoßen aber auf wirtschaftliche oder strukturelle Hürden. Was braucht es konkret, damit Nachhaltigkeit ein echter Wettbewerbsfaktor wird?
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit stehen nicht im Gegensatz zueinander – im Gegenteil, sie ergänzen sich. Gerade bei der Vermeidung von Lebensmittelabfällen zeigt sich sehr deutlich, welches Potenzial, auch monetär, hier liegt. Wer Lebensmittelabfälle konsequent reduziert, kann erhebliche Kosten einsparen – entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Diese Einsparungen schaffen wiederum Spielräume, die sinnvoll reinvestiert werden können, zum Beispiel in eine höhere Qualität der eingesetzten Lebensmittel, etwa im Bereich Bio. Die höhere Produktqualität schlägt sich häufig in einer Preisakzeptanz der Gäste auch wieder positiv auf das Ergebnis nieder.
Welche Innovationen, Partnerschaften oder politischen Impulse könnten die Branche zukünftig entscheidend in Richtung Nachhaltigkeit verändern?
Der entscheidende Faktor für mehr Nachhaltigkeit in unserer Branche wird die enge Zusammenarbeit aller relevanten Akteure sein. Nur wenn Wirtschaft, Verbände und Politik an einem Strang ziehen, lassen sich wirklich wirksame Veränderungen erzielen. Die gute Zusammenarbeit zwischen UAW und der Politik hat bereits den Grundstein für die Kompetenzstelle Außer-Haus-Verpflegung gelegt – ein wichtiges Signal dafür, was gemeinsam möglich ist. Gleichzeitig sehen wir, dass Innovationen, insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz, zunehmend an Bedeutung gewinnen. KI-Lösungen können Unternehmen gezielt dabei unterstützen, Lebensmittelabfälle zu analysieren, Prozesse zu optimieren und fundierte Entscheidungen zu treffen. Ein weiterer zentraler Hebel ist die enorme Reichweite der Branche: In der Außer-Haus-Verpflegung nehmen täglich rund 16 Millionen Menschen eine Mahlzeit ein. Das bedeutet, wir haben jeden Tag die Chance, genau diese Menschen zu erreichen und für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln zu sensibilisieren.
Weitere Informationen zu United Against Waste: www.united-against-waste.de


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