Lange Brücke über einem Strand

Personalakquise für den Ferienpark

von Linn Grunwald
© Weissenhäuser Strand
Der Weissenhäuser Strand ist genauso alt wie der Service-Bund: Seit 1973 gehen im Ferien- und Freizeitpark an der Hohwachter Bucht ganzjährig zehntausende Gäste ein und aus. Wie das Team trotz Fachkräftemangel und Azubischwund in der Gastrobranche erfolgreich und international Personal akquiriert, erzählt der geschäftsführende Gesellschafter David Depenau.
Ein Mann im Anzug lehnt an einem Geländer und lächelt.
David Depenau am Weissenhäuser Strand.
© Weissenhäuser Strand

700 Mitarbeitende für bis zu 6.000 Gäste

Seit fast 16 Jahren ist David Depenau Sprecher der Geschäftsführung des Ferien- und Freizeitparks und damit verantwortlich für 700 Mitarbeitende inklusive rund 100 Azubis. Versorgt werden bis zu 6.000 Gäste täglich bei über 900.000 Übernachtungen pro Jahr, primäre Zielgruppe sind Familien. Auf dem weitläufigen Gelände von rund einer Millionen Quadratmetern befinden sich neben einem Schwimmbad, Hotel, Ferienhäusern und Ferienwohnungen auch sechs Restaurants, ein Café und zwei Bars, die von einem Zentrallager und einer Zentralküche versorgt werden. Dreimal die Woche liefert dorthin auch das Service-Bund Unternehmen Schwarz & Hansen. 

Ein Restaurant mit Tischen und Stühlen.
Restaurant Möwenbräu
© Weissenhäuser Strand

Auf der Suche

Von den ausgelernten Mitarbeitenden im Weissenhäuser Strand sind etwa die Hälfte aus dem Ausland, bei den Azubis sind es sogar 90 Prozent – und das hat seinen Grund. Seit 2012 sucht Depenau mit seiner Personalabteilung aktiv nach Mitarbeitenden außerhalb von Deutschland. „Wir haben gemerkt, dass wir in gewissen Positionen nicht mehr gut zum Zug kommen“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsleitung. Ein früherer Mitarbeiter aus Rumänien half ihm dabei, in seiner Heimat ein paar Köche zu finden. Bis heute ist Rumänien das größte „Zielland“, wie David Depenau es nennt. Doch auch andere Länder buhlen hier um Arbeitskräfte. „Die europäischen Länder mit umzugswilligen jungen Menschen sind mittlerweile relativ ‚leergeräumt‘, also mussten wir uns irgendwann woanders umschauen.“

Bei seinen Recherchen stieß Depenau auf Madagaskar und seine deutsche Schule und setzte sich in den Flieger. „Man muss gucken, wo kann ich denn im Zielland hingehen? Gibt es an Orten, wo ich gut hinkomme und selbst kein Visum brauche, Hotelfachschulen, Unis mit Tourismusstudiengängen oder Kochschulen?“ Auch die jeweilige Außenhandelskammer kann behilflich sein. „Ich schaue, wo es eine Verbindung nach Deutschland gibt, wo viele Leute Deutsch lernen und wo ein Dienstleistungsverständnis im Land vorhanden ist.“ Deshalb akquiriert er auch gern Kolleginnen und Kollegen aus Indonesien und weiteren asiatischen Ländern.

Eine Gruppe von Menschen, die Holzbuchstaben hochhalten.
Azubis vom Weissenhäuser Strand
© Weissenhäuser Strand

Erfolgsgeheimnisse

Einige Jahre war Depenau für die Personalakquise viel im Ausland unterwegs, erst 2025 wurde es ruhiger. „Ich sehe mich in der Position des Türöffners, des Anstoßers und Ideengebers. Ich gehe in die Länder und mache die Kontakte. Das Ganze umsetzen, die Leute hierherbringen, die Genehmigungen, darum kümmert sich dann die Abteilung Human Resources."

2025 sind zwischen 30 und 35 neue Azubis dazugekommen, seit 2024 bildet der Weissenhäuser Strand sogar eigene Gebäudereiniger aus – der Bedarf ist da. Ein Teil seines Erfolgsgeheimnisses ist die Übernahmequote der Azubis: mindestens 70 Prozent. „Über diesen zeit- und arbeitsintensiven Weg bauen wir über die Jahre unsere eigenen Fachkräfte auf, so wie wir es brauchen. Mit abgeschlossener Ausbildung erlangen auch ausländische Azubis ein lebenslanges Arbeits- und Aufenthaltsrecht in der EU. Das ist für sie eine Riesenmotivation“, erklärt Depenau.

Ein Mann im Anzug lehnt an einem Geländer und lächelt.

,,Es gehört Mut dazu, ungewöhnliche Wege zu gehen – aber mehr braucht es nicht!“

David DepenauGeschäftsführender Gesellschafter Weissenhäuser Strand
© Weissenhäuser Strand

Hürden und Integrationsmaßnahmen

Auszubildende nach Deutschland zu holen ist relativ unkompliziert. Voraussetzungen sind meist nur ein akzeptables Deutsch-Niveau und ein Alter unter 35 Jahren. Schwieriger gestaltet es sich bei Fachkräften, vor allem Termine und Zusammenarbeit mit den Botschaften stellen oft Hürden dar, und Berufsleistungen werden nicht anerkannt. „Und vom Arbeitskräftemangel redet überhaupt keiner – dabei ist das der größte Bedarf“, sagt David Depenau.

Vor Ort werden die Mitarbeitenden zum Beispiel durch kostenlose Sprachkurse in der Arbeitszeit unterstützt. Ein weiteres großes Thema ist die Wohnsituation. 2024 wurde im benachbarten Oldenburg ein eigenes Personalhaus für bis zu 100 Mitarbeitende fertiggestellt. Dazu kommt ein kostenloser Fahrdienst mit verschiedenen Stopps im Halbstundentakt. Weitere Maßnahmen zur erfolgreichen Integration sind Patensysteme mit den Azubis, Wohngemeinschaften, gemeinsame Veranstaltungen und Teamevents, Teambuilding und die große Betriebsweihnachtsfeier.

Ein Mann und eine Frau sitzen auf einem Stuhl.
David Depenau mit Linn Grunwald (Servisa Magazin)
© Weissenhäuser Strand

Mehr Gehör für die Branche

Im Weissenhäuser Strand gibt es keinen Stillstand. Gerade wird ein neues, dringend benötigtes Parkhaus mit knapp 550 Plätzen gebaut. Dringend benötigt werden in Zukunft auch weiterhin Arbeits- und Fachkräfte aus dem In- und Ausland.

„Ich wünsche mir, dass wir politisch wieder mehr Gehör und Einfluss für die Sonderbedürfnisse unserer Branche in Berlin bekommen“, sagt David Depenau. Sein Rat für andere Hoteliers und Gastrounternehmer: „Es gehört Mut dazu, ungewöhnliche Wege zu gehen – aber mehr braucht es nicht!“ 

Tipp: Zum Thema Fachkräftemangel spricht David Depenau im Service-Bund Podcast "Ran an den Pott". Jetzt reinhören!

© Copyright
Haben Sie spannende Themen für uns?
Linn Grunwald
Redakteurin
© Copyright
slash slash
Personalakquise für den Ferienpark