Panorama Dautphetal

Mit klugem Kopf und Bauchgefühl

von Katrin Lang
© Werner Catering
Dautphetal-Mornshausen ist nicht unbedingt ein Ort, der die Massen anzieht.Obwohl die Umgebung der 11.371 Einwohner zählenden Gemeinde, die zummittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört, durchaus reizvoll ist.Wie man sich hier – irgendwo im Nirgendwo – bereits in siebter Generation miteinem gastronomischen Betrieb erfolgreich positioniert, zeigt die Familie Werner.
 
Vom 28. Apr. 2022
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#Nachhaltige Entwicklung
#Gastronomie
#Antipasti
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Zwischen Trend und Tradition

Was vor über 200 Jahren mit einem kleinen Landgasthof begann,den Jost Werner betrieb, ist heute ein erfolgreiches Familienunternehmen. Im Jahr 1977 wurde der Gasthof von Karl-Hermann Werner, dem Ur-Ur-Enkel des Firmengründers, übernommen. Seit 2009 unterstützt ihn sein Sohn Patrick in der Geschäftsführung. Das Erfolgsrezept der beiden ist so simpel wie komplex – denn man hat sich im Lauf der Jahre an den steigenden Bedürfnissen der Gäste orientiert. „Unsere Standbeine sind das Catering, unser Restaurant und unser Hotel“, sagt Patrick Werner. Der Diplom-Kaufmann studierte zunächst BWL und arbeitete in der freien Wirtschaft. So ganz raus aus dem elterlichen Betrieb, in dem er quasi aufgewachsen ist, war er aber nie, denn an Wochenenden und in den Semesterferien musste er mit anpacken.

Einstieg oder Übernahme

Irgendwann war für Patrick Werner dann klar, dass er das Unternehmen in die nächste Generation führen möchte. „Da stellt sich ja immer die Frage, wann man in das Unternehmen einsteigt. macht man das erst, wenn der Vater in Rente geht oder schonfrüher“, erklärt der Familienvater. Nach reiflicher Überlegung stieg der dann in den laufenden Betrieb ein. 

Ein starkes Duo – Karl-Hermann und Patrick Werner.
Karl-Hermann und Patrick Werner - zwei, die sich verstehen.
© Service-Bund
Traditionelles Buffett
Auch traditionelle Antipasti sind nachgefragt.
© Werner Catering

So konnte das Unternehmen wachsen und verwachsen und ich stehe heute mittendrin statt nur dabei.“ Natürlich hat Patrick Werner im Lauf der Jahre einiges verändert und angepasst, aber eher behutsam: „Wir haben erst einmal unseren Auftragsumfang erhöht, das war aber auch dadurch bedingt, dass wir zu zweit mehr Manpower hatten.“ Allerdings haben die beiden auch auf ihre jeweiligen Stärken gesetzt. Vater Karl-Hermann kümmert sich um die kulinarischen Abläufe, und Patrick Werner hat nach und nach die Prozesse optimiert.

Stärken nutzen

Relativ schnell nach seinem Einstieg führte Patrick Werner eine Bankett-Software ein: „Wir haben aktuell rund 1.500 Artikel im Programm. Nehme ich ein normales Wochenende mit zehn bis 15 Veranstaltungen, dann brauche ich nur noch zwei bis drei Stunden, um die Einkaufsliste und den Produktionsplan zu generieren.“

In einem weiteren Schritt wurde das Catering-Angebot ausgebaut. Neben zwei eigenen Räumlichkeiten im Hotel-Restaurant betreibt das Unternehmen zwar keine weiteren Locations, dies ist jedoch den regionalen Gegebenheiten geschuldet. „Hier in der Gegend gibt es viele Bürger- und Vereinshäuser, in denen üblicherweise gefeiert wird. Unsere Kunden rufen dann bei uns an, wenn die Location steht, und wir kümmern uns dann um den Rest“, so der Eventprofi. Nach und nach ist aus der reinen Anlieferung von Speisen und Getränken ein Full-Service-Eventgeschäft entstanden. Sogar ein eigenes Lager mit Mobiliar, Geschirr, Besteck und Gläsern für bis zu 1.000 Personen ist vorhanden. Der Grund dafür: Auf dem Land ist Lagerraum günstig, und die großen Vermieter für Eventbedarf sind einfach zu weit entfernt. Da ist es rentabler, sich das Equipment selbst anzuschaffen.

Full Service

„Im Laufe der Jahre sind wir für unsere Kunden zum Full-Service-Dienstleister gewachsen. Vom Essen, den Getränken über die Ausstattung bis hin zum Personal können wir alles selbst anbieten. Für Deko, Licht, Musik oder Künstler arbeiten wir mit einem festen Stamm an Dienstleistern zusammen“, erklärt Patrick Werner. Das Catering bzw. Eventgeschäft teilt sich bei der Firma Werner grob in drei Bereiche: Hochzeiten, private Feiern wie Geburtstage oder Konfirmation und Firmenevents. „Das sind drei komplett verschiedene Kundenkreise. Unsere Brautpaare sind jünger und setzen auch auf Trends, die Auftraggeber für andere private Feiern sind jedoch eher so um die 50 plus.“ Um für alle ein maßgeschneidertes Angebot zusammenstellen zu können, hat Patrick Werner das Angebot in den letzten Jahren verstärkt modular aufgebaut. Ob nun ein klassisches Buffet zum Abholen für die private Runde zu Hause, bayerische Schmankerl, BBQ, Streetfood oder das Gala-Buffet mit Frontcooking – für jeden Anlass und Geldbeutel findet sich das passende Angebot. Eine immer größere Rolle spielen dabei auch vegetarische und  vegane Gerichte. „Vegane Alternativen werden noch nicht so häufig nachgefragt, aber die Nachfrage nach Speisen für vegetarische Gäste haben wir mittlerweile bei jedem Auftrag“, berichtet der Geschäftsführer.

Hotelzimmer
Eins der modern-gemütlichen Hotelzimmer
© Werner Catering
Flammlachs
Immer auf der Suche nach Trends wie z. B. Flammlachs
© Werner Catering

Starkes Team

Durch ihr großes Engagement gehören Patrick und Karl-Hermann Werner heute zu den Marktführern der Region. Trotzdem blickt man in Dautphetal-Mornshausen mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Saison 2022, denn es fehlt an Personal. Zwar haben die Werners eine starke und eingespielte, knapp 25-köpfige Stammcrew im Rücken, doch erste Anfragen musste Patrick Werner schon ablehnen. War die Lage schon vor Corona nicht rosig, so ist der Markt aktuell wie leergefegt: „Früher haben wir viel mit Agenturen für Servicepersonal zusammengearbeitet, von denen haben die wenigsten Corona überstanden. Ich musste kürzlich sogar einem Brautpaar absagen, das mich noch einmal angerufen hat, weil es wohl die ganze Hochzeit absagen wird, da hier im Umkreis niemand Kapazitäten hat. Das ist schon bitter.“ Da sich Patrick Werner erst einmal mit der Situation abgefunden hat, arbeitet er aktuell an Alternativen und konzentriert sich, wie schon zu Beginn der Pandemie, auf Alternativen zu personalintensiven Dienstleistungen wie beispielsweise den Übernachtungsbetrieb.

Wenig Touristen

Denn zum Familienunternehmen gehört auch ein schmuckes kleines Hotel mit 16 Zimmern, Appartements und angeschlossenem Restaurant. „Freiwillig kommt zu uns keiner“, schmunzelt der Realist. Deshalb ist der Hotelbetrieb eher auf die Bedürfnisse von Monteuren zugeschnitten. Bei einem Übernachtungspreis von 50 bis 60 Euro pro Nacht und freundlich eingerichteten Zimmern ist es ein Konzept, das aufgeht. „Ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass wir mal ein Sternetempel oder eine Wellnessoase werden. Das wird in Mornshausen niemand suchen wollen. Aber saubere Zimmer mit guten Matratzen, TV und einer vernünftigen Dusche kommen bei unserer Zielgruppe sehr gut an.“ So wurde das Hotel gerade während der Lockdowns zum guten Standbein mit Tendenz zum Rettungsanker. Denn die Beherbergung von Geschäftsreisenden war erlaubt, während das Eventgeschäft am Boden lag. 

Convenience in Balance

Eine weitere Maßnahme, fehlendes Personal zu kompensieren, ist der Einsatz von Convenience. Als Kunde der Service-Bund Gebietszentrale Schwalenstöcker und Gantz beschäftigt sich Werner ausgiebig mit den hochwertigen Convenience-Produkten von Sander Gourmet, die der Service-Bund im Rahmen derExpertPartnership im Sortiment führt. „Ich bin da noch in denAnfängen und teste, welche Produkte in unser Geschmacksprofil passen. Ich habe ja auch eine gewisse Tradition weiterzuführen – so schmeckt’s bei Werner. Ich muss die Produkte so integrieren, dass unsere Gäste es quasi nicht herausschmecken“, erzählt der Catering-Profi. Unterstützung bekommt er dabei von seinem Service-Bund Fachberater und Gebietsverkaufsleiter Jochen Michel, der Anfangs irritiert war, weil Werner ihn nicht ständig sehen wollte. Ein Anlass zum Schmunzeln für Werner. Denn der Grund, warum er vor rund acht Jahren bei Schwalli anfragte, war eher seiner BWLer-Herkunft zu verdanken: „Ich habe schon damals daraufgesetzt, Prozesse zu vereinfachen, und habe jemanden gesucht, der mir ordentliche Rouladen wickelt – und die hatte Schwalli. So bin ich Kunde geworden, weil die Leute dort wissen, worauf es ankommt, mich in meiner Arbeit unterstützen und ich mich dort aufgehoben fühle.“

Agieren und optimieren

Doch so ganz aufgegeben, vielleicht doch noch neue Mitarbeiter zu finden, hat Patrick Werner noch nicht. Sein Vater ist schon lange Jahre als Prüfer für gastronomische Ausbildungsberufe aktiv und unterrichtet auch noch. Eine Quelle, die für neues Personal nicht zu unterschätzen ist. Aktuell bildet das Unternehmen auch je eine Hotel- und eine Restaurantfachfrau aus. Zusätzlich lotet man derzeit aus, wie die Resonanz über soziale Medien wie Facebook und Instagram ist. Werner selbst ist zwar kein großer Fan von sozialen Medien, hat aber einen Mitarbeiter, der sich darum kümmert. Denn auch hier kommt es wieder auf die Balance an, denn schon aufgrund der drei Hauptzielgruppen, die das Unternehmen anspricht – Brautpaare, Gäste über 40 und Firmen, muss sich nicht nur das Angebot, sondern auch die Kommunikation zwischen Trend und Tradition bewegen. Und auch wenn Patrick Werner nicht nach den Sternen greift, kulinarisch ist Dautphetal-Mornshausen in jedem Fall eine Reise wert – und die passende Übernachtungsmöglichkeit kann gleich dazu gebucht werden.

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Katrin Lang
Redakteurin
Katrin Lang
© ebam

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