Erfolgsrezept Vielfalt - Alsterdorfer kesselhaus

Geschmack am Miteinander

von Katrin Lang
© Alsterdorfer Kesselhaus/Servicebund
Das Alsterdorfer kesselhaus ist ein inklusiver Restaurant- und Cateringbetrieb der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Zwischen Mittagstisch, Betriebs- und Familienfeiern dient das kesselhausals Anlaufstelle für Anwohner, Angestellte und Menschen mit Assistenzbedarf. Hier stehtvor allem der Mensch im Mittelpunkt.
Vom 10.07.2026

Hand in Hand

Anno 1863 kaufte Pastor Heinrich-Matthias Sengelmann ein Gelände im Hamburger Stadtteil Alsterdorf und begann Wohn und Arbeitseinrichtungen für sozial benachteiligte und geistig behinderte Menschen zu errichten. Dies war der Startschuss der heutigen Evangelischen Stiftung Alsterdorf, die in Hamburg Schulen, Kitas, ein Krankenhaus, betreutes Wohnen, Werkstattarbeitsplätze, Begegnungsstätten, ein Seniorenstift und inklusive Gastro-Betriebe betreibt.

Bindeglied in Alsterdorf

Bis zu 100 Gäste finden im kesselhaus Alsterdorf drinnen und ebenso viele draußen auf der Terrasse Platz. Das Besondere: Im kesselhaus arbeiten Gastro-Fachkräfte Hand in Hand mit Menschen mit Assistenzbedarf – mit dem Anspruch, dass das gastronomische Erlebnis sich nicht merklich von anderen Angeboten unterscheidet. Küchenchef Tobias Ludwig ist seit 2021 dabei, Restaurantleiter Mike Bellmann seit 2009. „Wir sind das Bindeglied am Alsterdorfer Markt“, erklärt Bellmann. „Wir stellen nicht nur mit Werkstattbeschäftigten Essen her, bedienen mit Beschäftigten und bringen Caterings vorbei, sondern bieten auch FÜR die Beschäftigten Essen an.“ Die Arbeit ist für Ludwig und Bellmann viel mehr als ein Job in der Gastro. „Mir gefällt, dass man den Mitarbeitenden etwas Gutes tut“, sagt Ludwig. „Sie sagen am Ende des Tages, das hat Spaß gemacht, ich habe wieder etwas gelernt – das hast du in der normalen Gastronomie nicht. Da musst du funktionieren, und hier bist du ein Mensch.“ Die Zusammenarbeit beginnt meist mit einem Praktikum. „Dabei fi nden wir heraus, was er oder sie kann und zeigen, was es bedeutet, hier zu arbeiten. Denn hier kann es schon mal stressig werden.“ Die Beschäftigten mit Assistenzbedarf arbeiten für gewöhnlich vier bis sechs Stunden in der Küche, Spülküche, Essensausgabe oder im Service. Für die Fachkräfte gibt es spezielle Schulungsangebote, wie man auf die besonderen Anforderungen der Mitarbeitenden eingeht, die körperliche Behinderungen, geistige oder psychische Einschränkungen mitbringen. Außerdem kümmert sich eine pädagogische Fachkraft um die Beschäftigten. Manche sind schon mehr als zehn Jahre dabei: etwa Servicekraft Mandy, die die Kommunikation mit dem bunt gemischten Publikum liebt. Sie hat sogar einen Kurs für Gebärdensprache belegt, um sich mit gehörlosen Gästen verständigen zu können.

Nahaufnahme von Essen auf einem Teller
© Alstzerdorfe Kesselhaus/ Servuice-Bund
Ein Mann lächelt in einem schwarzen Hemd.
© Alsterdorfer Kesselhaus/Service-Bund

Herausforderungen

Als Inklusionsbetrieb steht die gemeinnützige GmbH täglich  vor der Herausforderung, den normalen gastronomischen Betrieb und den pädagogischen Aspekt unter einen Hut zu bekommen – und dabei auch noch wirtschaftlich zu arbeiten. Man muss mehr Personal einplanen, hat eine höhere Ausfallquote und braucht einen Fahrer bei der Auslieferung von Caterings. Daher stehen für Events Abrufkräfte und Freelancer bereit. Finanziell lohnen sich vor allem Feiern und Caterings. Andere Veranstaltungen, wie der regelmäßige Karaoke-Abend, das Frauencafé oder Angebote auf dem Marktplatz, sind in erster Linie wichtig für das Gemeinschaftsleben im Stadtteil Alsterdorf.

Moderne Klassiker

Zu den Highlights im Jahreslauf zählen Stiftungsevents wie das Mitarbeitendenfest mit ca. 1.500 Teilnehmenden sowie der Vorstandsempfang. Dabei kommen u. a. Fleisch und Seafood derService-Bund Marken Rodeo und Mermaid zum Einsatz. Als „geradlinige und abwechslungsreiche, saisonale Küche“ beschreibt Tobias Ludwig seinen Küchenstil. „Wir hauchen den Klassikern neues Leben ein – zum Beispiel einen Schmorbraten in modernisierter Form“, erklärt der 34-Jährige. Seit 2022 wird das kesselhaus zwei- bis dreimal die Woche vom Service-Bund Unternehmen Schwarz & Hansen beliefert. Die Bestellungen erfolgen hauptsächlich über den Webshop. Alle paar Wochen bespricht Ludwig mit seinem Fachberater außerdem, wo es Unterstützungsbedarfgibt, welche neuen Produkte oder aktuellen Angebote es gibt oder auch die Planung der Speisekarte für größere Veranstaltungen.

Gemeinsam erfolgreich

Das Restaurant Alsterdorfer kesselhaus zeigt täglich, dass Menschen mit verschiedenen Persönlichkeiten und Fähigkeiten gemeinsam erfolgreich sein können. Dafür gewann das Team 2017 den Inklusionspreis in der Kategorie „Gaststätte“ vom Sozialverband Deutschland. Für die Zukunft wünscht sich Restaurantleiter Mike Bellman, den Marktplatz wieder mit mehr Veranstaltungen zu beleben. Tobias Ludwig ergänzt: „Wir möchten auch künftig zeigen, wir sind etwas Besonderes. Und dass die Menschen mit Assistenzbedarf einen genauso guten Job wie wir machen!“ 

Katrin Lang
© Service-Bund/Dani Rodriguez
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Katrin Lang
© Service-Bund/Dani Rodriguez
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