
Erfolgreich auf dem Land
Gerade mal 30 Jahre jung, liest sich Christian Airichs Story fast wie ein Märchen: Er schaffte mit Mut und Ideenreichtum den Sprung vom Kellner zum Gastro-Unternehmer. Vor sieben Jahren fing der gebürtige Rheinhesse als Servicekraft in der Alten Brauerei im badischen Weingarten an. Eine atmosphärische Location mit Gewölbekeller aus dem 14. Jahrhundert, Fachwerk, mittelalterlichem Charme, 140 Sitzplätzen innen und 90 im Außenbereich. Schon in seinen sieben Jahren als Restaurantleiter brachte Airich die Idee ein, ein größeres Publikum mit Krimi-Dinnern anzusprechen. Der Plan ging auf: „Wir sind mittlerweile der größte Anbieter für Krimi-Dinner in ganz Süddeutschland“, berichtet er stolz. Etwa alle zwei Wochen fi ndet ein Krimi-Dinner in der Alten Brauerei statt, das jeweils um die 50 bis 60 Besucher in die beschauliche Gemeinde nordöstlich von Karlsruhe lockt.
Historie, Steaks und Digitalisierung
Als der frühere Pächter 2024 aufhörte, bat er dem engagierten Mitarbeiter die Übernahme an. „Ich hatte mir viel Mühe gegeben und habe auch ein sehr digitales Verständnis“, erzählt Christian Airich. „Mir ist zum Beispiel ganz wichtig, den Ablauf im Service zu verbessern.“ Er führte ein Online-Reservierungssystem ein, sodass die Mitarbeitenden schon zu Hause wissen, wie viele Gäste kommen, sowie smarte Uhren, die vibrieren, wenn Gäste kommen oder Teller rausgebracht werden müssen. Kulinarisch stehen in der Alten Brauerei Steaks der Service-Bund Marke Rodeo im Fokus, die sich die Gäste auf dem heißem Stein selbst zubereiten – geliefert von gastro*master Aldinger aus Pforzheim. Neben Rind, Bison und veganen Alternativen gibt es exotische Optionen von Känguru bis Zebra sowie Digestifs aus der Region. Laut Airich „die beste Fleischqualität in der gesamten Umgebung“.


Erfolg durch Markenzeichen
Als ihm Ende 2025 das leerstehende Restaurant Löwenthor im zwölf Kilometer entfernten Gondelsheim angeboten wurde, konnte Christian Airich nicht Nein sagen: Ein historisches Gebäude aus dem Jahr 1701 mit viel Original-Interieur, 220 Sitzplätzen und einem großen Außenbereich mit 100 Plätzen – das war genau sein Ding. Der Wahl-Karlsruher stellte sich eine entscheidende Frage: Was hat diesem Laden früher gefehlt? „Das Essen war nichts Besonderes. Meiner Meinung nach ist es immer ein Signature, welches die Gastronomie ausmacht.“ Neben den erfolgreich etablierten Steaks vom heißen Stein stehen hier seit März 2026 „Heimat-Tapas“ im Fokus. Kalbsbäckle, Maultaschen oder Käsespätzle in kleinen Portionen, als Hauptgang je drei zur Auswahl – das kommt bei den Gästen sehr gut an. Auf der Karte finden sich außerdem handwerkliche Bierspezialitäten wie Frucht-, Trappisten- und Champagnerbier. Hinzu kommt der Fokus auf Dinnershows: Am Standort in Gondelsheim soll eine noch größere Bandbreite von Comedy über Musical bis Burlesque eine Rolle spielen.
Einzigartiges Ambiente
Im Löwenthor zu speisen, fühlt sich ein bisschen wie im Museum an: Knarrende Holzfußböden, alte Gemälde, Wandteppiche und Kronleuchter sorgen für ein einzigartiges Ambiente. Draußen herrscht mit urigen Natursteinen fast mediterranes Flair. Das Alter der Gebäude stellt ihren größten Charme, gleichzeitig aber auch die größte Herausforderung dar. Denkmalschutz, lange Wege und Treppen fordern das rund 30-köpfige Team an beiden Standorten. „Manchmal kommt man zur Arbeit und hat einen Stromausfall. Man muss immer wieder aktiv was tun“, gibt Airich zu. Das Energiebündel arbeitet selbst im Service mit. Da die Standorte nur 15 Minuten Autofahrt voneinander entfernt sind, setzt der Gastro-Unternehmer seine Mitarbeitenden je nach Bedarf in beiden Häusern ein.
Auf Social Media setzen
„Wir machen ganz viel über Instagram und TikTok“, erklärt Christian Airich den wichtigsten Baustein seiner Marketingstrategie. Dabei ist er sich nicht zu schade, auch mal Passanten vor der Kamera zum Essen einzuladen. „Man muss sich da schon ein bisschen trauen, einfach so die Leute anzusprechen. Aber das kann ich zum Glück ganz gut.“ Seine Aktivitäten auf Instagram helfen außerdem bei der Personalsuche. „Wir machen Videos oder Schaltwerbung und dann fi nden wir ganz schnell Leute. Generell hatten wir nie richtig Probleme mit Personal.“ Daneben setzt Airich auf Google und Instagram-Ads sowie Flyer, die Gutscheinen und der Rechnung beigelegt werden und im Toilettenbereich ausliegen.

Jenseits von 08/15
In der Großstadt profitieren Restaurants von Laufkundschaft. Auf dem Land muss man umso mehr überzeugen: „Bei uns ist jeder Gast sehr wichtig. Unsere positiven Bewertungen liegen auch am Service. Wir nehmen uns sehr viel Zeit für die Gäste und gehen immer die Extra-Meile. Wenn man hier anruft und wir öffnen erst 17 Uhr, ist mein Handy mit der Box verbunden und ich rufe von zu Hause aus zurück. Das machen schon die meisten nicht.“ Bis jetzt läuft es gut für Christian Airich – sollte das so bleiben, könnte er sich vorstellen, noch ein drittes Restaurant zu machen, ebenfalls mit den Heimattapas. „In einer Location, die Geschichte hat. Die Zeit von 08/15 ist vorbei. Es wird künftig nur noch die Gastronomen geben, die die extra Meile gehen und etwas ganz Besonderes machen.“

