Mitarbeiter im Café Senza Limiti

Gute Leute, guter Kaffee, gute Sache

von Julia Matthies
© Senza Limiti GmbH
Als barrierefreies Café in der Würzburger Innenstadt gibt das Café Senza Limiti - Café ohne Grenzen - der Inklusion einen Platz in der Mitte der Gesellschaft: Steven Henze ist Sozialarbeiter, Gastronom und Barista, und leitet mit seinem Team aus Menschen mit und ohne Behinderung ein grenzenlos gutes Café.
Vom 03.03.2023

Inklusions-Café ohne Grenzen

Steven Henze weiß genau, was er will, und was er kann: Ohne Arbeitsplatz oder Ersparnisse im Hintergrund setzte er vor zwei Jahren alles auf eine Karte für sein Projekt und ging in die Gründungsphase seines Café Senza Limiti. Dies hat er in den Jahren davor mit Studium und Ausbildung minutiös vorbereitet. Der 32-jährige kommt aus einer Gastronomen-Familie im Harz. Schon früh weiß er, dass er mit Menschen in sozialen Projekten arbeiten will, und entscheidet sich für ein Studium der sozialen Arbeit. Seine Leidenschaft für Italien und die Welt des guten Kaffees verbindet er mit seinen Studienaufenthalten in Bologna und Sizilien und lernt alles über Kaffee und die Barista-Kunst. Gerüstet mit seiner Bachelorarbeit zum Thema „Chancen auf dem Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung in Deutschland und Italien“ kehrt er zurück und geht mit seinem Projekt an den Start.. 

Team Cafe Senza Limiti
Das Team um Steven Henze arbeitet unglaublich gern hier (v. l): Sofie Gerstein, Patricia Wuske, Juliane Messmann, StevenHenze, Andreas Schmitt und Paul Heeg..
© Senza Limiti GmbH

Von Gründern und Spendern

2019 sucht er MitstreiterInnen und sammelt mit Sonderpädagogin Patricia Wuske zusammen in einem der größten Online-Crowdfundings für ein soziales Projekt in der Region Würzburg für das Projekt. Mit unheimlich großem Erfolg: Innerhalb von vier Wochen bekommen sie 35.000 Euro zusammen. „Mit dieser Summe und Fördergeldern sowie einem Darlehen wurde es täglich konkreter. 2021 fanden wir die passende Immobilie mit einem aufgeschlossenen Vermieter und Anfang 2022 wurde der Traum dann Wirklichkeit“ , erklärt der Gründer. Ein Laden mit 100 Quadratmetern Fläche, barrierefrei und mitten in der Würzburger Innenstadt wartete auf Henze, Wuske und ihr Team: Die Mitarbeitenden arbeiten in einer inklusiven Belegschaft . 40 Prozent sind Menschen mit Behinderung, die hier genauso wie die Mitarbeitenden ohne Behinderung im Service oder in der Küche tätig sind. Das Besondere: Auch die Menschen mit Behinderung sind auf sozialversicherungspflichtiger Basis am ersten Arbeitsmarkt angestellt – für eine Teamarbeit auf Augenhöhe ein entscheidender Faktor, und in Deutschland immer noch eine Seltenheit.

Abbau von Barrieren

Im JAber nicht nur unter den Mitarbeitenden geht es um die Aufhebung von Grenzen. Auch die Gäste sollen davon profitieren, denn das ganze Café ist barrierefrei. So ist zum Beispiel die Theke nur hüfthoch, um auch für Rollstuhlfahrer eine Bestellung ohne Hindernis zu ermöglichen. Dazu passend sind die eingesetzten Produkte aus fairem Handel: „Als Gastgebende und Arbeitgebende schaffen wir mit dem Café Senza Limiti einen barrierefreien Treffpunkt. Von hochwertigem italienischem Fair-Kaffee über die Arbeitsbedingungen bis zu der Beziehung zu den Gästen sind alle Aspekte des barrierefreien Cafés fair gestaltet“, erklärt Steven Henze stolz. Denn auch seine Leidenschaft für guten Kaffee möchte er den Würzburgern weitergeben. Das Café bietet neben Kaffeespezialitäten selbst gebackene Kuchen und Gebäck sowie typisch italienische Cornetti und Panini. Das Team ist schon früh am Start: „In der Fußgängerzone gab es kaum ein Café, das vor 9.30 Uhr öffnete. Auch das machen wier anders und öffnen werktags bereits ab 7.30 Uhr für die Leute auf dem Weg ins Büro.“ Am Wochenende hat das Café wiederum bis 22 Uhr geöffnet und bietet zusätzlich mediterrane Aperitifs an.

Cappuccino im Café Senza Limiti
© Senza Limiti

Mit Herzblut dabei

Im Senza Limiti hat Paul Heeg einen echten Traumjob gefunden. Der 20-jährige hat das Downsyndrom und ist sehr glücklich mit der Arbeit: „Das macht sehr viel Spaß mit meinen Kollegen und ich bin so stolz, dass ich hier arbeiten kann“, erklärt er. Um den überall herrschenden Personalmangel muss sich das Team aus Würzburg bisher noch keine Gedanken machen: „Wir haben immer noch genügend Nachfrage. Für Menschen mit Behinderung ist es ein attraktiver Job, der viel Eigenständigkeit und Gleichstellung mit sich bringt. Und auch die Mitarbeitenden ohne Behinderung entscheiden sich sehr bewusst für unser Konzept und sind entsprechend motiviert, bei uns anzufangen“, sagt Steven Henze. Die Chemie stimmt – und das merkt man der gesamten Arbeit an. Auch die  Auswahl der Partner, Produzenten, Mitarbeitenden und Produkte spiegeln alle das Herzblut und den Respekt wider, die vom Team in das Projekt einfließen, und die das Café ohne Grenzen ausstrahlt. Begeisterte Stammkunden und eine herzliche Aufnahme in die Würzburger Gastro-Szene ließen da nicht lange auf sich warten. Den Kaffee für zu Hause sowie einige „Fanartikel“, wie Jutebeutel oder T-Shirts und Hoodies mit dem Senza Limiti Logo kann man ebenfalls vor Ort erstehen, und den Spirit des Cafés in die Welt tragen. All das macht das Senza Limiti zu einem Platz, an dem die viel besprochene „Augenhöhe“ einmal fast mühelos scheinend gleich mit serviert wird. „La dolce vita“ ist hier für alle möglich.

Kontakt

www.senza-limiti.org

Cafe´ Senza Limiti, Würzburg

Steven Henze, Chef im Senza Limiti
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Julia Matthies
Kommunikationsmanager
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