Servisa Magazin

Der Reismacher

Mit einem jährlichen Verbrauch von 95 kg Rindfleisch pro Person schaffte es Uruguay ins Guinness Buch der Rekorde. Weit weniger bekannt ist der Reisanbau des Landes, geprägt von einem einzigartigem Zusammenspiel zwischen Farmern und Müllern, Reis und Rindern, von dem auch der Servisa Reis profitiert. Mittendrin: Raúl Uraga, der den Reisanbau als Agrarberater betreut.

Für das Unternehmen Saman, größter Reisexporteur und größte Reismühle Uruguays, reist Raúl Uraga zu Reisfeldern im ganzen Land und berät die Landwirte. Der Reis, fast ausschließlich Langkornreis, wird im südamerikanischen Frühling gesät und nach optimaler Reifung im März geerntet. „Wenn ich eine Farm besuche, prüfe ich, ob auf den Feldern alles optimal läuft“, erklärt Uraga. Mit einem kleinen Flugzeug fliegt der 39-Jährige über die grünen Reisfelder, um problematische Gebiete zu erkennen – Flächen, die nicht ausreichend bewässert werden oder unter zu viel Unkraut leiden. Mit Uragas Ratschlägen sind dann schnell Erfolge zu sehen. 

Insgesamt werden in Uruguay, dem zweitkleinsten Land Südamerikas, über 1,3 Mio. Tonnen Reis von knapp 600 Farmern angebaut. Die größten Exportmärkte sind der Nahe Osten, Peru, Brasilien, Mexiko, Zentralamerika und Europa, denn in der heimischen Küche spielt Reis kaum eine Rolle. Der Langkornreis aus Südamerika zeichnet sich durch ein besonders festes Korn und gute Standeigenschaften aus. Von Feldern aus Uruguay stammen auch der Servisa Parboiled Langkorn-Reis in Spitzenqualität sowie Vollkornreis – nur wenige Autostunden nördlich der Weiden, auf denen die Angus- und Hereford-Rinder für die Service-Bund Marke Rodeo Ranch Quality grasen. 

Für seine integrative, familiäre und verantwortungsvolle Reisindustrie ist das kleine Uruguay in der ganzen Welt bekannt. „Reisanbau in Uruguay ist auch deshalb so einmalig, weil wir Reis und Rinderhaltung mischen“, sagt Raúl Uraga. Hier sind es allerdings andere Rinderrassen als im Süden. Durch eine umweltfreundliche Fruchtfolge könne sich Reis und Rinder das gleiche Land eilen. Nachhaltigkeit ist hier keine leere Phrase, Uruguays Reisproduktion teht im Einklang mit ökologischer Vielfalt. Außergewöhnlich ist die Art de Reisanbaus laut Uraga auch, „weil wir spezielle Samen benutzen, die an unsere Klimabedingungen angepasst wurden, weil wir kaum Chemikalien im Feld benutzen müssen und weil wir zu 100 Prozent ohne Gentechnik arbeiten.“ Vor allem aber, weil hier alle Beteiligten zusammenarbeiten.

Da sich in der landestypischen Fruchtfolg zwei Jahre Reisernten mit vier Jahren Viehhaltung abwechseln, hat der Boden Zeit, sich zu erholen. Im Anschluss an die Reisernte wird ein Mix aus Gräsern und Hülsenfrüchtlern gesät, den die Rinder fressen und so wiederum den Boden düngen. Während der Reisproduktion wird der Boden für rund 100 Tage geflutet. Unter diesen anaeroben Bedingungen verändern Nährstoffe in der Erde ihre chemischen Eigenschaften und lassen die Weide später hervorragend wachsen. „Und mit guter Weide entwickeln sich ausgezeichnete Rinder“, weiß Raúl Uraga.

„Reis ist sehr dynamisch“, ist Raúl Uraga überzeugt.

Anfang des 20. Jahrhunderts startet der Reisanbau in Uruguay. Die Voraussetzungen waren gut: warme, stabile Sommer, fruchtbare Böden und Wasserverfügbarkeit dank zahlreicher Flüsse und der großen Laguna Merín, die sich Uruguay mit Brasilien teilt. Ende der 1950er Jahre begannen die meisten Bauern und Müller zusammenzuarbeiten und die Marktpreise festzulegen. Seither entwickelte sich ein System, das auf Transparenz, Vertrauen und Integration setzt. Und stabile Preise und Qualitätsstandards sind am Ende nicht nur für die Produzenten, sondern auch für die Kunden von Vorteil!

Mit Hilfe der örtlichen Reisbauern-Organisation verkaufen Produzenten ihren Reis heute direkt an Reismühlen, die ihn für den Export aufbereiten. Die Mühlen geben den Farmern Kredite für Investitionen in moderne Technologie, stimmen mit ihnen ein Versicherungssystem gegen Ernteausfälle ab und arbeiten eng mit dem nationalen Agrarforschungsinstitut zusammen. Das Institut wiederum finanziert sich durch eine Steuer der Farmer. Agrarwissenschaftler und -ingenieure der Mühle wie Raúl Uraga beraten die Bauern z. B. zu Dünger und unterstützen sie mit speziell gezüchteten Samen.

In einen solchen Job kann man nur hineinwachsen. Raúl Uraga stammt aus dem Norden des Landes und hatte nach seinem Landwirtschaftsstudium zunächst für eine Farm gearbeitet, die neben Rinder- auch Reiswirtschaft betrieb. Von Reis hatte er damals noch keine Ahnung, bis eines Tages ein Agrarwissenschaftler
der Firma Saman die Farm besuchte und ihn neugierig machte. Als dieser in Rente ging, übernahm Uraga dessen Job. Fünf Jahre lernte er im Zentrum des Landes allesüber den Reisanbau, heute lebt er in dem kleinen Örtchen J. P. Varela im Osten Uruguays. „Meine Arbeit ist sehr abwechslungsreich und ich habe mi vielen Menschen zu tun. Wir sind fast wie eine Familie!“ erzählt Uraga voller
Begeisterung. Die Gruppe der Reisfarmer ist eine überschaubare Gemeinschaft, hier kennt jeder jeden. Wir haben nicht nur ein geschäftliches Verhältnis zueinander, sondern ein sehr persönliches. Man wird hier auch zu Familienfeiern eingeladen.“

Zu den Aufgaben von Raúl Uraga gehört auch die Koordination zwischen Farmern und Industrie, die Beaufsichtigung von Industrieprozessen wie Trocknen und Mahlen sowie das Management von Qualitätslaboren für Reis und von Bewässerungsbetrieben. Die Bewässerung ist neben der Boden- und Samenqualität entscheidend beim (Nass-)Reisanbau. Dämme sowie Pumpbewässerung aus Seen und Flüssen sorgen für die nötige Bewässerung der Felder. Aus der Luft betrachtet, ergeben die schmalen Wassergräben wellenförmige Muster.

Die Leidenschaft der uruguayischen Reisspezialisten fasziniert auch den Service-Bund. Bei einem Besuch der Rodeo Rinder in Uruguay reiste eine Delegation vom Service-Bund daher 2014 gen Nordosten, um sich das erfolgreiche Reisanbau-System anzuschauen. Raúl Uraga führte die Gruppe u. a. durch das Anbaugebiet rund um den Ort Treinta y Tres, durch eine Parboiling-Anlage und eine Schälfabrik. „Mich hat das nachhaltig Konzept sehr beeindruckt. Der hier angebaute und verarbeitete Reis ist wirklich ein Topprodukt!“, so Ulfert Zöllner, Geschäftsführer der Service-Bund GmbH & Co. KG in Lübeck. Beeindruckend ist auch die ausgefeilte Energiewirtschaft, die den Reisanbau begleitet. So wird beispielsweise aus den Spelzen, den äußeren Hüllen, die nach dem Reisschälen übrig bleiben, durch Verbrennung Strom erzeugt.

Direkt nach der Ernte wird der Reis bereits in Uruguay zum standfesten, nährstoffreichen Parboiled Reis veredelt und anschließend mit modernen Schälmaschinen bearbeitet. Von Uruguays Hauptstadt Montevideo brauchen die Reiscontainer dann rund drei Wochen per Schiff nach Bremerhaven zum Service-Bund Importpartner Rickmers Reismühle. Dort wird aus dem uruguayischen Langkornreis schließlich der Servis Reis: Durch sorgfältige Qualitätsprüfung, Sieben, Auslesen, Schleifprozesse, Polieren und Hightech-Sortierung bleiben nur die besten Körner übrig.

Rezept für rind & reis

Uruguays einmaliger Integrationsansatz, was den Reisanbau betrifft, sorgt für große Stabilität - und das ohne staatliche Subventionierung. Raúl Uraga wurde bereits zu einer UN-Konferenz auf die Philippinen eingeladen, um über den Reisanbau seiner Heimat zu sprechen; gilt das uruguayische Modell des Reisanbaus doch weltweit als vorbildhaft. Und welch bessere Motivation kann es für Uraga geben, als mit seiner Arbeit andere Länder zu inspiriere – und die Ideen eines kleinen Landes hinaus in die weite Welt zu tragen? So gesehen ist Reismacher vielleicht einer der besten Jobs der Welt. Weitere Infos zum Reisanbau finden Sie unter www.irri.org und www.grisp.net.

Geschäftsführer der Service-Bund GmbH & Co. KG in Lübeck

Wie waren Ihre Eindrücke beim Besuch in Uruguay?
Ich habe vorher gar nicht viel erwartet, ich dachte „Ich gucke mir mal
eine Reisfarm an“. Als Raúl Uraga uns dann alles zeigte und die Story
vom uruguayischen Reis erzählte, war ich überwältigt – das ist nicht bloß toll, das ist großartig!

Was ist das Besondere am Reisanbau dort?
Der Reisanbau in Uruguay kommt ohne Gentechnik aus und ist ganzheitlich. So wird zum Beispiel Energie aus Abfällen gewonnen und die Böden für eine Fruchtfolge genutzt. Zudem sorgt ein Wassergesetz dafür, dass der Bau der benötigten Staudämme nicht behindert werden kann.

Was können andere Länder daraus lernen?
Wie Uruguay die Prozesse verzahnt, Arbeitsplätze schafft und kreative, moderne und umweltfreundliche Lösungen in einem Agrarland aufzeigt, ist wirklich einmalig.

Reis in der Hand
Uraga und Farmer
Bewässerung Reisfelder
Uraga und Traktor
Uraga im Reisfeld
Uraga und Ulfert Zöllner

Raúl Uraga und Ulfert Zöllner

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