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Wie gehe ich mit Corona-Stress um?

Die Gastrobranche wird von der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Maßnahmen besonders hart getroffen. Existenzängste, Stress, Gefühle von Machtlosigkeit oder Einsamkeit kennt fast jeder. Doch was macht den Corona-Stress besonders schwer zu ertragen? Und mit welchen Mitteln können wir ihm persönlich begegnen? Lesen Sie unser Interview mit Stressforscherin Dr. Anika Pützer von der Ruhr-Universität Bochum.

Wie und wieso setzt uns unter Corona unter besonderen Stress?

Dr. Pützer: Stress entsteht, wenn wir eine Situation als bedrohlich bewerten – weil sie für uns neu, unkontrollierbar oder schwer vorhersagbar ist – und gleichzeitig feststellen, dass unsere eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen, um mit dieser Bedrohung fertigzuwerden. In der Corona-Krise sind wir mit solchen Situationen konfrontiert. Eine groß angelegte internationale Befragung, durchgeführt von einem Team europäischer Wissenschaftler*innen, gibt Aufschluss über die am häufigsten genannten Corona-spezifischen Stressfaktoren. Hierzu gehören die Berichterstattung der Medien, Einschränkungen in der Freizeit, Reduktion der sozialen Kontakte sowie Restriktionen, das Haus zu verlassen. 
Stress ist an sich zunächst nicht problematisch. Im Gegenteil – es ist wichtig und gesund, dass wir Stress empfinden. Denn unter Stress wird unser Organismus in Alarmbereitschaft versetzt. Auch mental sind wir in Stresssituationen fokussiert und wachsam. Alles ist darauf ausgerichtet, die Herausforderung zu bewältigen. 
Wenn eine solche Stresssituation allerdings sehr lange anhält, finden wir nicht mehr zu unserem inneren Gleichgewicht zurück. Genau das kann während der Corona-Pandemie passieren. Und das ist problematisch. Langanhaltender Stress kann zu stressbedingten psychischen Störungen führen, diese aufrechterhalten oder verstärken.

Was versteht man unter Resilienz und warum ist diese wichtig?

Wir müssen uns über Folgendes Gedanken machen: Wie kann ich in der Krise gesund bleiben und möglichst unbeschadet daraus hervorgehen? Damit beschäftigt sich die Resilienzforschung. Sie identifiziert protektive Mechanismen, die uns vor gesundheitlichen Folgen einer langanhaltenden Stresssituation schützen.

Welche Mechanismen haben sich denn in dieser lange andauernden Krise als schützend herausgestellt?

Wichtig ist unter anderem eine optimistische Bewertung der Situation und der eigenen Möglichkeiten, damit umzugehen. Im Rückbezug darauf, wie Stress entsteht, ist das plausibel: Schaffen wir es, Corona-spezifische Stressfaktoren als weniger bedrohlich zu bewerten und uns selbst nicht als machtlos anzusehen, so fühlen wir uns weniger gestresst. Wie das konkret gelingen kann, hat das Leibniz Institut für Resilienzforschung in Mainz hier zusammengestellt: 

Tipps für psychische Gesundheit

Es wird beispielsweise empfohlen, sich aktiv um soziale Unterstützung zu bemühen. Das bedeutet, dass wir Kontakt zu anderen Menschen trotz der Einschränkungen aufrechterhalten müssen – z. B. durch Telefonieren, Briefe schreiben, Spieleabende per Videokonferenz. 
Außerdem gibt es Möglichkeiten, einen gesunden Optimismus zu entwickeln. Das kann gelingen, indem wir eine akzeptierende Haltung gegenüber der Situation einnehmen. Damit ist nicht gemeint, die Situation schönzumalen, sondern die negativen Tatsachen zu akzeptieren und den Fokus auf positive Lebensbereiche zu legen, die wir selbst kontrollieren können. Auch ein bewusster Umgang mit Informationen kann dabei helfen. Wir sollten uns auf vertrauenswürdige Quellen stützen und uns auch mal Informationspausen gönnen. 
Und schließlich ist es wichtig, in die eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Doch es ist gar nicht so leicht, nicht zu streng mit sich selbst ins Gericht zu gehen. Auch hier hilft es, die eigenen Schwächen zu akzeptieren und sich bewusst vor Augen zu halten, was gerade gut läuft. Auch indem wir tägliche Routinen aufbauen, uns gesund ernähren oder Sport machen, können wir für uns sorgen und Stress abbauen. 
Dabei sollte uns aber bewusst sein, dass auch die Menschen um uns herum für ein gesundes Hervorgehen aus der Krise unsere Unterstützung benötigen. Dass wir viele Aspekte der Krise am besten gemeinschaftlich in den Griff bekommen, hat sich gezeigt. Wann immer es also möglich ist, anderen Menschen Hilfe anzubieten, sich zu kümmern oder aufeinander Rücksicht zu nehmen, sollten wir das tun – und somit die Verantwortung für unser Wohlergehen nicht dem Einzelnen allein überlassen.

Tipps für weniger Corona-Stress

  • soziale Kontakte aufrecht erhalten - z. B. durch Telefonieren, Online-Meetings etc.
  • akzeptierende Haltung einnehmen/Optimismus bewahren
  • Informationspausen einlegen
  • tägliche Routinen - mit Abwechslung
  • Selbstfürsorge, z. B. durch gesunde Ernährung, Sport und Entspannungstechniken
  • gegenseitige Unterstützung

 

Dr. Anika Pützer

Zur Person

Dr. Anika Pützer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Kognitionspsychologie der Ruhr-Universität Bochum und beschäftigt sich vor allem mit Stressforschung. Wir bedanken uns für ihre Unterstützung!

Quellen:

Die Befragung, auf die mehrfach verwiesen wird: Veer, I. M., Riepenhausen, A., Zerban, M., Wackerhagen, C., Puhlmann, L., Engen, H., … Kalisch, R. (2020, April 22). Psycho-social factors associated with mental resilience in the Corona lockdown. 

Zur Studie Leibniz Institut für resilienzforschung
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