• Mit Familienanschluss

    Die Veddeler Fischgastsätte ist eine Hamburger Institution - und Familie Butzke hütet diese gemeinsam

Online-Magazin

Ein guter Fang - Die Veddeler Fischgaststätte

Der Hamburger Hafen ist eine riesige Welt für sich und Aushängeschild für die Weltstadt. Ein echtes Original ist hier schon seit 1932 die Veddeler Fischgaststätte. Die kleine, klassische Fischbratküche und ihr Backfisch sind weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Die Familie Butzke lebt dieses Erbe und kämpft aktuell für dessen Erhalt.

Veddeler Fischgaststätte

Wer die Fischgaststätte direkt bei den Elbbrücken auf der Halbinsel Veddel im Hamburger Hafen aufsuchen möchte, muss sowohl mit einer etwas abenteuerlichen Anreise durch das Hafengebiet rechnen als auch mit einer echten Zeitreise: Die Einrichtung ist klassisch-maritim mit Wimpeln, urigen Schildern und Originalmöblierung aus den 50er-Jahren. Ein authentischeres Hafenfeeling gibt es nicht. Zumal der Backfisch in seiner einzigartigen Rezeptur und ein Team, bei dem manche schon seit vielen Jahren dabei sind, das Erlebnis rund machen. 

Herr über die vielgeliebte Fischbratküche und Hüter der Tradition ist seit dem letzten Jahr Christian Butzke mit seiner Familie. Bereits seit 2006 ist die Gaststäte in Familienhand, als Butzkes Mutter Marion die Geschäfte von der Gründerfamilie übernahm. „Die Gaststätte hat mich von Anfang an magisch angezogen“, so Christian Butzke. So war es für ihn eine Herausforderung, die er zusammen mit Sohn Jonas und Ehefrau Olivia mehr als bereitwillig annahm. Und das, obwohl es den Start in ein komplett neues Leben für alle drei bedeutete: Umzug aus Berlin, die Aufgabe der bisherigen Jobs bzw Neustart nach dem Schulabschluss. Für alle drei ein Herzensprojekt, das aufgegangen ist, und sie noch enger zusammenrücken ließ.

Das kulinarische Herz- und Erbstück, um das sich bei Familie Butzke alles dreht, steht in der Mitte der Küche: Der historische Ofen aus den 1920er-Jahren, der vom Sohn der Gründerfamilie 1940 in die Fischgaststätte eingebracht wurde, und seitdem an fünf Tagen in der Woche bis zu 250 Portionen Backfisch und Fischfrikadellen brät. Nur mit diesem Ofen gelingt die einzigartig knusprige Panade, für die der Backfisch hier zu Recht so berühmt ist. Ermöglicht wird das durch die Temperaturen von bis zu 220 C°, die mit heutigen Geräten gar nicht mehr erlaubt sind. Der unermüdliche Ofen der Familie Butzke besitzt als historisches Stück eine Sondergenehmigung und sorgt damit  buchstäblich für das Erfolgsrezept.

Die Fischgaststätte hat ausschließlich Montag bis Freitag geöffnet, und trotz der verwinkelten Lage im Hafen ist ab Öffnung kurz vor Mittag der Laden mit seinen knapp 50 Plätzen an jedem Tag der Woche bis zum späten Nachmittag sehr gut besetzt. Eine Warteschlange vor der Tür ab 12 Uhr ist – vor allem am klassischen Fischtag, dem Freitag – keine Seltenheit. Und auch die Reihe der Wartenden am Abholfenster an der Außenterasse, welches zu Corona-Zeiten eingeführt wurde, reißt um die Mittagszeit nicht ab. Nicht nur Hafenarbeiter, Fernfahrer und die Nachbarschaft zählen zu den Gästen: Wer einmal da war, kommt immer wieder. Stammgäste, die teilweise mehrmals die Woche vorbeischauen oder extra aus dem Ausland anreisen, belegen das. Nicht umsonst ist die Fischgasstätte in verschiedenen Hamburg-Reiseführern als Geheimtipp für Hamburgs besten Backfisch gelistet. Auch die lokale (Polit)prominenz trifft sich hier gern, und ist nicht ausgenommen von der Regel, dass die Mannschaft die Gäste zu Spitzenzeiten gemeinsam an einen Tisch mit anderen Gästen platziert. Wenige Tische, aber auch die kommunikative Philosophie der Gaststätte erfordern das: „Es gehört einfach zur Atmosphäre hier dazu, dass man sich zusammensetzt, auch wenn man sich noch nicht kennt. Man kommt dann oft ins Gespräch quer durch die gesellschaftlichen Schichten. Wir schätzen das sehr“, so Olivia Butzke stolz.

Schon seit Bestehen der Fischgaststätte sind die Bestseller seit eh und je der Backfisch mit Kartoffelsalat sowie hausgemachte Fischfrikadellen und saisonbedingt selbst eingelegter Hering oder Scholle. Eine größere Speisekarte ist gar nicht vorhanden. Alle Rezepturen sind absolut traditionell und funktionieren so seit den 30er-Jahren. „Wir und unsere Stammgäste legen viel Wert darauf, dass die Rezepturen genauso erhalten bleiben“, erzählt Christian Butzke. Ab vier Uhr morgens beginnt die „Kartoffel-Schäl-Schicht“ für die bis zu 80 kg Kartoffelsalat, die hier täglich über den Tresen gehen. Dazu kommen bis zu 15 Kilo Gurken für den ebenfalls hausgemachten Gurkensalat. Der Seelachs für Backfisch und Co. kommt aus Wildfang in Island und bildet in seiner hohen Qualität zusammen mit der knusprigen Panade die Basis für den Erfolg der Veddeler.

Der 18-jährige Sohn der Butzkes, Jonas, kennt und liebt die Gaststätte von Kindesbeinen an. Er kam aus hundertprozentiger Überzeugung mit aus Berlin nach Hamburg, und setzt sich auf Augenhöhe zusammen mit seinen Eltern für die Gaststätte ein. Jonas kümmert sich vor allem darum, den Kultstatus und das Geheimtipp-Wesen in der digitalen Welt zu verbreiten, um so auch eine jüngere Zielgruppe anzusprechen. Das ist auch notwendig, denn die Veddeler Fischgasstätte in ihrer jetzigen Form ist bedroht: „Auf der Veddel ist ein sogenannter Superblock geplant, eine Kombi aus Wohn- und Büroflächen, die unseren Standort, mit dem bereits jetzt entstehenden modernen Städtebauprojekt Grasbrook verbinden soll“, erklärt Jonas Butzke. Ein alternativer, von der Stadt beriets angebotener Standort in den nahegelegenen alten Zollhallen kommt aus einem einfachen Grund nicht in Frage: Der historische Ofen darf nur an seinem jetzigen Standort, quasi unter Denkmalschutz, noch betrieben werden. Eine Versetzung wäre unmöglich, und beraubt die Gaststätte ihres Kerns.

Aus diesem Grund läuft seit Herbst 2021 eine Petition, die in kürzester Zeit unzählige Fans und Unterstützer auf den Plan rief. Durch Kampagnen in der Lokalpresse und Funk und Fernsehen werden fleißig Unterschriften gesammelt, die den Hamburger Senat umstimmen könnten. „Das Original bleibt natürlich immer das Beste. Und wie sollen wir diesen Charme an einem anderen Ort wieder herstellen?“, so Christian Butzke. „Wir wollen im Dezember den 90. Geburtstag unserer Fischgaststätte begehen, und planen schon für das Ereignis, das uns alle hier sehr stolz macht. Am liebsten natürlich genauso, wie wir sie lieben – hier im Herzen der Veddel.“

Christian Butzke

Die Gaststätte hat mich von Anfang an magisch angezogen. Wir sind stolz auf dieses besondere Original, und wollen es auch so erhalten

Christian Butzke

Filtern Sie hier: OnlineBest-practiceGastronomieProfis im PorträtPodcast

Service im Eiscafé

Nutzen Sie ServisaPOS mobil und kompakt in Ihrem Eiscafé oder Eiswagen. Besonders praktisch: Eine Auswahl an gängigen Impulseis-Sorten und Snackprodukten ist bereits im System angelegt. So können Sie

Gemeinsam. Gastronomisch. Durchstarten.

'Gemeinsam. Gastronomisch. Durchstarten.‘ ist das diesjährige Motto für die ExpertPartnership von Service-Bund und der Sander Gruppe. Und das hat einen guten Grund: Als eines der wichtigsten Events im

Mit klugem Kopf & Bauchgefühl

Dautphetal-Mornshausen ist nicht unbedingt ein Ort, der die Massen anzieht. Obwohl die Umgebung der 11.371 Einwohner zählenden Gemeinde, die zum mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf gehört, d

Empfehlen Sie diese Seite auf


...oder per Mail: