• Im Land der aufgehenden Sonne

    Anna (erste Reihe, zweite von links) und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Japan Food Services Association.

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Praktikum in Japan

01-06-2016

Anna Henrichsen studiert seit 2014 an der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn und ist duale Studentin beim Service-Bund. Dabei absolvierte sie auch ein Praktikum bei der Japan Food Services Association (kurz: JFSA) im japanischen Sendai. Dabei hat sie viel erlebt und gesehen. In einem Bericht möchte sie uns an ihren Erlebnissen teilhaben lassen.

Anna, du hast das Wort:

"Männer in grauen Overalls und kniehohen, weißen Gummistiefeln flitzten durch die Gänge. Von weitem konnte ich schon die ratternde Stimme des Auktionators hören. Es war morgens, kurz nach fünf Uhr und die nordjapanische Großstadt Sendai ruhte noch unter einer Schneedecke, aber auf dem städtischen Fischmarkt herrschte schon reger Betrieb. Fisch, den ich sonst nur klein portioniert im Sushi-Restaurant gesehen hatte, gab es hier in ganzer Größe und großer Vielfalt: darunter Muscheln, Oktopus und Thunfisch. Der gerade erst ersteigerte Fang wurde in Styroporkisten verpackt, teilweise schon an den Ständen zerlegt und gereinigt.

Ein anderes Mal begleitete ich Mitarbeiter zu dem monatlichen Treffen der Projektgruppe "Delikatessen". Im 37. Stock eines Hochhauses, mit tollem Blick über ganz Tokio, waren verschiedene Hersteller eingeladen worden, die ihre Produkte wie frittiertes Fleisch oder Gemüse präsentierten, die wir im Anschluss verkosteten. Die ganztägige Veranstaltung war perfekt durchgeplant und durchgetaktet. Jeder Hersteller hatte 30 Minuten, um sein Produkt zu bewerben. Diese streng strukturierte Arbeitsweise konnte ich auch in der Zentrale erleben, in der ich die meiste Zeit verbrachte. Jeden Montag um 8:30 Uhr wurden die Leitsätze der Firma gemeinsam aufgesagt. 

Die 25 Mitarbeiter sitzen in einem einzigen Großraumbüro. Alle bringen großen Einsatz für die Arbeit, sie identifizieren sich sehr stark mit "ihrer" Firma. Es gibt viele ungeschriebene Regeln, an die sich jeder hält. So werden die Büroräume vor Arbeitsbeginn von den Mitarbeitern gereinigt und Aufgaben, wie die Verteilung der Post, unter allen aufgeteilt. Die Mitarbeiter kümmerten sich sehr gut um mich, ich bekam einen eigenen Schreibtisch, sogar eigene Visitenkarten und natürlich einen detaillierten Plan, nach dem ich das Unternehmen kennen lernen sollte. So begleitete ich eine gute Woche lang den Außendienst zu den Kunden. Darunter war auch der CREA-Supermarkt in Kesennuma. Dieser, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt liegende Supermarkt, wurde 2011 durch den Tsunami komplett zerstört. Der Eigentümer ließ sich jedoch nicht unterkriegen, obwohl er einen Teil seiner Familie verloren hatte, baute er den Supermarkt schon bald später wieder auf, um den Menschen in dem Ort eine Möglichkeit zum Einkauf zu geben.
 
Japanische Supermärkte haben ein ganz anderes Sortiment. Hier werden viele sogenannte Delikatessen und Bento angeboten. Dabei handelt es sich um bereits verzehrfertige Beilagen zum Reis wie zum Beispiel frittiertes Fleisch, die man sogar im Supermarkt erwärmen lassen kann. Unter "Bento" versteht man eine "Lunchbox", also ein fertig zubereitetes kaltes Mittalgessen in einer Schachtel. Ich durfte hier dann sogar mein eigenes Mittags-Bento selber machen, das aus Sushi bestand. Ich konnte noch weitere Kundengruppen kennen lernen, wie Cateringunternehmen oder Hotels, war im Lager und in den C&C-Märkten der Gesellschafter unterwegs und bekam im Marketing einen tieferen Einblick in die neue Strategieausrichtung der Print-Medien.

An den Wochenenden erkundete ich die Umgebung rund um Sendai. Ich fuhr auf den berühmten 1.800 Meter hohen Mount Zao Ski, machte eine Bootstour um die verschneiten Inseln in Matsushima und besichtigte die Innenstadt von Sendai.

Mit dem Praktikum bei JFSA erkannte ich, dass auch in derselben Branche viele Abläufe anders strukturiert und organisiert werden können: Von der minutiösen Arbeitsplanung bis hin zu einer anderen Lagerordnung. Darüber hinaus konnte ich viel über japanische Kultur und Essen lernen und hatte noch jede Menge Spaß dabei."

Danke für deinen Bericht, Anna!

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