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Foodfotograf im Interview

15-03-2017

Essen anrichten, Kamera an und losknipsen – so einfach, wie es sich anhört, ist die Kunst der Foodfotografie nicht. Hubertus Schüler macht dies seit zehn Jahren beruflich. Rezeptbücher mit seinen Werken konnten wir schon in einigen Servisa Ausgaben vorstellen. Im Interview gibt der 53-Jährige nun einen Einblick in seine Arbeit.

Wie alt sind Sie und seit wann als Fotograf tätig? Wie lange davon widmen Sie sich ganz der Foodfotografie? 

Ich bin 53 Jahre. Als selbstständiger Fotograf arbeite ich seit 1990 – als „Stillifer“, wie man im Fachjargon sagt. Seit ungefähr zehn Jahren widme ich mich ausschließlich der Foodfotografie. Mein erstes Kochbuch „Freitag in Deutschland“ von Björn Freitag habe ich 2008 fotografiert.  

Woher kommt Ihre Begeisterung für die Foodfotografie? 

Ich koche selbst sehr gerne und beschäftige mich mit dem Thema.

Das Schöne an der Foodfotografie ist für mich, dass ich Dinge inszenieren und mit den Bildern Geschichten erzählen kann, mir Szenen ausdenken kann. Das Spiel mit Licht ist ein entscheidender Punkt bei meiner Arbeit. Erst, wenn das richtige Licht eingesetzt wird, ist es das perfekte Foodfoto.

Die Foodfotografie ist ein abwechslungsreiches Feld und bietet viele spannende Möglichkeiten. So werde ich innerhalb einer Woche in den Orient, nach Asien und zur Weihnachtstafel geschickt – leider meistens nur im Raum meines Studios (lacht). 

Worauf kommt es bei den richtigen Foodbildern an? 

Das Ziel bei der Foodfotografie ist es natürlich das Essen lecker aussehen zu lassen. Dabei kommt es vor allem auf das richtige Modellieren von Licht und Dingen an. Die Inszenierung ist wichtig. Ich habe vor kurzem für ein Buch „Staats Geheimnisse“ von Stephan Staats fotografiert, dessen Rezepte im mediterranen Raum angesiedelt sind, das spielt natürlich auch beim Bildaufbau und der Szenerie eine Rolle.  

Was fällt Ihnen in Ihrer Arbeit heute noch besonders schwer? 

Da ich schon lange in dem Bereich arbeite, eigentlich fast gar nichts mehr – außer ich habe schlecht geschlafen. (lacht)

Das Wichtigste ist es mit einem Team zusammen zu arbeiten, mit dem es Spaß macht, dann gehen auch vermeintlich „schwere“ Dinge leicht von der Hand.  

Wie viel Zeit brauchen Sie bis das perfekte Foodbild im Kasten ist? 

Das ist je nach Motiv oder Auftrag unterschiedlich. Bei redaktionellen Bildern sind es schon mal 5 bis 8 Bilder pro Tag, wobei man so 1 1/2 Stunden für ein Bild einplanen kann.

Bei Werbebildern sind die Begebenheiten straffer reglementiert - 1 Bild pro Tag ist hierbei realistisch.   

Greifen Sie für die Anrichtung Ihrer Foodbilder selber zum Kochlöffel oder vertrauen Sie da auf Ihr Team? 

Da vertrau ich auf andere. Obwohl ich gerne koche, könnte ich es zeitlich gar nicht leisten. Da würde mir ja das Essen anbrennen, während ich gerade ein Foto mache. Den Teller richtet der Foodstylist an, aber alles drumherum ist meine Aufgabe. Ich bin quasi in Co-Existenz ein Stylist, was mir auch Spaß macht. Ich bin viel auf Flohmärkten unterwegs und jage nach geeigneten Requisiten für die verschiedensten Sets.  

Welche Gerichte lassen sich in Ihren Augen besonders leicht fotografieren und welche gestalten sich eher schwieriger? 

Es gibt ein, zwei Motive, bei denen es schwieriger ist, Abwechslung in die Bilder zu bekommen und so die Spannung aufrecht zu erhalten.  

Bei Risotto zum Beispiel ist es schwierig bei 30 Rezepten eine Varianz hineinzubekommen.

Und bei Getränken wie Bier erfordert es viele handwerkliche Griffe, um ein Bild mit dem perfekten Licht und Tropfen, Betauung nennt man das, zu shooten.   

Aber zum Schluss klappt es dann meist doch immer. Für das Buch „Brot backen in Perfektion“ von Lutz Geißler musste ich vor kurzem 50 Brote inszenieren. Die Rezepte basieren auf keiner offensichtlichen Geschichte, keiner Jahreszeit und keiner Regionalität, sodass es am Anfang für uns schwer war eine Handschrift einzubringen. Im Resultat ist es uns aber doch ganz gut geglückt. (grinst)  

Woher lassen Sie sich für neue Ideen inspirieren? 

Inspirationen lauern eigentlich überall. Ich blättere in allen möglichen Sachen rum. Schaue, was gerade im Trend ist.

Klar, schaut man auch bei anderen Fotografen, aber auch in Ausstellungen oder im Bookshop eines Museums.  

Die Inspirationen für die verschiedenen Lichtaufbauten bekomme ich draußen. Ich schau zum Beispiel wie das Nordseelicht ist, wenn es ganz weich ist oder wie das Sonnenlicht ist – das ahme ich dann nach.  

Was halten Sie von dem allgegenwärtigen Foodporn, indem viele Menschen ihr Essen posten? Warum wird das so oft unterschätzt? 

Das lässt sich weder unterschätzen noch überschätzen. Der allgegenwärtige Foodporn lebt ja davon, dass Leute ihr Handy nehmen und das Bild dann durch einen Filter schicken. Dadurch sehen die Bilder immer gleich aus. Die Leute haben Spaß am Kochen, das ist toll, aber mit wirklicher Foodfotografie hat es wenig zu tun, da die Spannung fehlt. In einem Buch möchte das niemand sehen, das Essen muss möglichst natürlich aussehen und nicht durch einen Blau- oder Rot-Filter verändert sein. 

Was sind die aktuellen Trends der Foodfotografie? 

Achtsamkeit sich selbst gegenüber ist auch weiterhin ein aktueller Trend. Die Leute möchten durch Essen ein besserer und gesünderer Mensch werden. Vor allem auch jüngere Menschen stellen sich die Fragen „Was esse ich? Woher kommt das? Und was macht das mit mir?“

Das wirkt sich natürlich auch in der Foodfotografie auf die Bildsprache aus.

„Die 50 gesündesten 10-Minuten-Rezepte“ von Dr. Anne Fleck und Attila Hildmanns neues Buch „Vegan for Fit Gipfelstürmer“ sind hierfür perfekte Beispiele. Beide handeln von gesunder Ernährung, die schnell zubereitet ist. Wichtig bei beiden war uns eine klare und reduzierte Bildsprache, die sich auf das Wesentliche, das Gericht, konzentriert.  


Copyright: Hubertus Schüler

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